Erfrischend unverbraucht! | Schneeblind: Ein Patientenroman | Andreas Keck
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Schneeblind: Ein Patientenroman
Andreas Keck
Periplaneta
, 2008 - 204 Seiten
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Wundervoller, authentischer Roman, absolut lesenswert!
Ist es dunkel, so tut es gut, wenn es wieder heller wird, man kann seine Umwelt wieder wahrnehmen. Doch zu viel Licht erzeugt genau das Gegenteil: es macht blind. Die Krankheit, die Schädigung der Hornhaut durch zu viel Strahlung, wird als
Schneeblind
heit bezeichnet. Sie bekommt feine Risse, die Augen tränen, sind extrem lichtempfindlich und schmerzen.
Mit Licht verbindet der Mensch außerdem von jeher das Gute und Schöne. Es war schon immer ein Symbol von Transzendenz, Reinheit und Erkenntnis und so bezieht sich der Titel Schneeblind nicht nur auf den rein medizinischen Aspekt. Der Roman von Andreas Keck befasst sich in einer fesselnden Geschichte mit den Auswirkungen des "Lichts der Erkenntnis" und der Erleuchtung.
Matthias ist ein Schnösel, einer, der immer alles von seinen Eltern bekommen hat; er ist arrogant und engstirnig. Also nicht gerade ein durch und durch sympathischer Protagonist. Er hat gerade sein Studium abgebrochen und ist wieder zu seinen Eltern gezogen. Und eigentlich wäre das ja auch alles in Ordnung wenn er nur nicht immer wieder scheinbar grundlos weinend zusammenbrechen würde. Durch einen Trick lockt ihn sein Vater in die Psychiatrische Klinik, damit die Ursache gefunden und er geheilt wird.
Wir sehen den recht seltsamen Klinikalltag in der Geschlossenen durch Matthias analytische Augen. Er empfindet sich als stillen Beobachter, fast schon als Fremdkörper, aber nicht als Menschen, der Hilfe benötigt. Denn selbstverliebt wie er ist, weiß er, dass er eigentlich gar nicht hierher gehört. Der einzige, der unter all den kranken Psychos noch normal ist, ist er selbst. Und Anna, eine Mitpatientin, scheint auch normal zu sein. So bahnt sich langsam eine zarte Liebesgeschichte zwischen den beiden an. Sie überschreiten Grenzen, die der Klinikpforte und ihre eigenen, und so wächst in Matthias langsam eine Erkenntnis.
Sprachlich ausgefeilt nimmt uns Matthias mit in seine Gedankenwelt. Geradezu stolz präsentiert er uns seinen überaus wachen, hellen Verstand und gewinnt durch seinen feinen Humor und seine Phantasie schließlich auch den Leser für sich.
Andreas Kecks Debütroman Schneeblind hat Größe; was gewiss nicht an seinem recht unheldenhaften Protagonisten liegt, der hier das Licht der Welt erblickt. Dem Münchner Autor geht es um Selbsterkenntnis, das Verleugnen der eigenen Existenz, um Entwicklung und Stagnation. Diese großen Themen verpackt Keck, der in Philosophie promoviert hat, in eine zarte, lebendige Geschichte, die mit einem großartigen Ende aufwarten kann.
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Erfrischend unverbraucht!
Dieser Erstlingsroman von Andreas Keck fesselt von der ersten Seite an durch seine unverbrauchte Art und das Thema "Psychiatrie", das in unserer Gesellschaft immer noch tabuisiert wird und von Stigmatas gekennzeichnet ist.
Absolut empfehlenswert! Man darf gespannt sein, welchem Thema sich der Autor als nächstes widmet.
Ich weiß es nicht
Die Begrifflichkeit des "Doppelten Lesens" feierte seine Geburtsstunde in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Schriftsteller, die mit ihren Werken eine weiter gewordene Öffentlichkeit erreichen und sich neue Publikumsschichten erschließen wollten, waren angehalten ihre Texte so zu gestalten, dass sie sowohl einem Leser Genüge taten, der sich in seiner wohlverdienten Freizeit einer spannenden Geschichte widmen wollte und zugleich einem Kunstinteressierten, der den Text mit dem Auge des Literaten betrachtete. So entstand der "Poetische Realismus". Nun bin ich weit davon entfernt "Schneblind" in epochengeschichtliche Kategorien einzuordnen. Dazu gibt das Buch zunächst zuviel her; denn Kategorisierung bedeutet letztlich auch immer Reduktion und genau darum geht es mir und dem Autor von "
Schneeblind
" wohl kaum. Vielmehr ist mir daran gelegen zu verdeutlichen, dass Keck einen Roman konzipiert und zu Papier gebracht hat, der "doppelt lesbar" ist. Wer auf Freaks steht - bitteschön - wir befinden uns in einer psychatrischen Klinik. Wer die Lovestory nicht missen will - we present you Anna. Wer gern Filme sieht - dieses ist de facto ein szenischer Roman (es findet sogar ein verquerer Exorzismus statt!). Wer aber an wittgensteinscher Sprachphilosophie interessiert ist, dem sei "Schneeblind" genauso ans Herz zu legen, wie einem, dem Benns späte Lyrik geläufig ist. (Als Parallellektüre wären etwa die beiden berühmten Gedichte "Ein Wort" oder "Nur zwei Dinge" zu empfehlen.) "Die Leere und das gezeichnete Ich". Egozentrismus, der in eine Automatik des Wahnsinns umschlägt, absolute Totalität von Welt und Nichts, der sich der Protagonist Matthias gegenüber sieht und die Ohnmacht eines wissend Unwissenden um sein nicht zu bezeichnedes Problem in einer Gesellschaft von "Bezeichnern" - der Text glänzt durch Vielschichtigkeit und eine innovative Sprachgestltung, so dass der aufmerksame Leser bis in einzelne Wort- und Satzkombinationen Entwicklungen des Protagonisten hin zur vermeintlichen "Heilung" nachverfolgen kann. Keck scheint sowohl die Kunst der immerwährenden Frage (Dialoge als Katalysatoren) als auch die Kunst der Abschweifung (Fink-Gespräche, Matthias - Psychater, die durch kurzzeitiges intensives Sinnieren über ein Pärchen vor dem Klinikgebäude unterbrochen werden;) spielerisch zu beherrschen. Genauso kommt der Text eben unterhaltsam und teilweise sogar humoristisch daher, allerdings ohne je den Leser vergessen zu lassen, dass da etwas ist - etwas Bedrohliches. Was? "Ich. Vor allem. Ich. Nichts. Weniger als Nichts." Es bleibt zu hoffen, dass ein Text wie "Schneeblind" einem weiten Publikum zugänglich gemacht wird und ein Autor wie Keck nicht müde wird einem solchen neue Stücke im Sinne der "Doppelten Lesbarkeit" zu präsentieren.
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Leicht zu lesen, aber nichts Besonderes
Vielleicht ging ich mit zu vielen Erwartungen an das Buch heran oder evtl. lag es auch daran, dass ich zuerst an einen Erfahrungsbericht glaubte, dann aber mit einem Roman konfrontiert war...ich weiss es nicht. Fuer mich persoenlich war es zu wenig Info ueber die Gefuehlswelt und die Ereignisse in der Klinik. Ausserdem fehlte mir die logische Nachvollziehbarkeit einer scheinbaren Kehrtwende. Vielmehr ging es um die Zweifel im Vorfeld der Einweisung und eine Liebesgeschichte danach.
OK zu lesen, aber verschenken wuerde ich es nicht.
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