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Das Klavier im Nebel: Roman
Eginald Schlattner

Deutscher Taschenbuch Verlag, 2007 - 560 Seiten

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"Geschichte trennt, aber Geschichten, die schaffen Nähe"

… schreibt der 72-jährige Siebenbürger Pfarrer aus Rothberg/Rosia und Autor auf Seite 361. Aus eigener Anschauung weiß er, dass es offensichtlich nur einen Weg gibt, wie sich Rumänen, Siebenbürger Sachsen, Ungarn und Zigeuner gemeinsam und zum gegenseitigen Gewinn Siebenbürgen als ungeteilte Heimat bewahren können. Das ungezwungene und in diesem Buch – wie in allen Werken Schlattners – weitläufige Erzählen von ernsten und heiteren Begebenheiten aus der sonst kargen und brutalen Nachkriegszeit (1948 bis 1951) eröffnet einen vielfältigeren Zugang, der mehr als die Sichtweise nur einer Nationalität oder einer einzigen sozialen Klasse ermöglicht.
Nichts blieb für den Lebensweg des Fabrikantensohns Clemens Rescher so, wie ihn Eltern und Großeltern geplant hatten: Während einer Zugsreise aus Siebenbürgen in den Banat erinnert sich der Heranwachsende an seinen inhaftierten Vater, der sich der Verstaatlichung seiner Sonnenblumenölfabrik widersetzte, an seine untergetauchte Mutter und seine konsequent konservative Großmutter, die in ihren eigenen Pferdestall einquartiert wurde. Der ihm vorbestimmte Lebensweg als Erbe des Familienbetriebs ist abgeschnitten. Er muss in einer Fabrik arbeiten, besucht abends ein rumänisches Lyzeum.
Auch alle seine Liebschaften, in denen er jeweils Mädchen anderer nationaler oder sozialer Herkunft begegnet, beginnen hoffnungsvoll und enden glücklos. Die Rumänin Rodica präsentiert sich als große Liebe. Mit ihr reist er ans Schwarze Meer, um nach ihrer verbannten Familie und seiner geflüchteten Mutter zu suchen. Er entdeckt die für ihn fremde Welt der Rumänen, sieht die Hauptstadt Bukarest zum ersten Mal und muss feststellen, wie wenig die Völker Rumäniens voneinander wissen: In Constanza wird dem Paar sogar verboten, deutsch zu sprechen, die Sprache des faschistischen Feindes. Der Securitate-Offizier weiß nichts von einer deutschen Minderheit in Rumänien …
Das Klavier ist ein leises Leitmotiv, das sich durch alle Handlungsstränge des Romans zieht: Beim vierhändigen Spiel auf dem Klavier, dem Zentrum jedes großen und gut bürgerlichen Haushalts, lernte Rescher die sächsische Bürgerstochter Isabella und auch Rodica kennen. Auf der Suche nach einem Klavier freundet er sich mit einem jüdischen Musikhistoriker an, von dem er – und mit ihm der Leser – viel über das Schicksal der jüdischen Bevölkerung Siebenbürgens und die Musiktradition im Land seiner Heimat erfährt. Doch ist das Klavier durch seine Größe bei Umsiedlungen im Wege, dient dennoch auch als Notunterschlupf auf freiem Felde und ist zur therapeutischen Beschallung von milcharmen volkseigenen Kühen im Arbeiterstaat gerade noch geduldet. Am Ende des Buches steht die Deportation der Banater Verwandten Reschers. Am Bahnsteig bleibt ein Klavier im Nebel zurück.
Eginald Schlattner lässt das multikulturelle Siebenbürgen, das vielleicht gar nicht so weltoffen und modellhaft tolerant war, wie man es heute gerne sähe, in seinen Büchern für die Phantasie seiner Leser wiedererstehen. Er weiß, wie man auch von schlimmen Zeiten humorvoll erzählen kann. Die europäische Geschichte ist zu wertvoll, um sie der nationalen Geschichtsschreibung zu überlassen.


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viele einfühlsam erzählte Begebenheiten ergeben keinen Roman

Vielleicht hätte ich im letzten halben Jahr nicht zwei dieser dicken Romane Schlattners kurz hintereinander lesen sollen, vielleicht liegt es ja daran, dass mich nach der Gefängnisgeschichte "rote Handschuhe" das "Klavier im Nebel" weniger gepackt hat. Auch dieses Buch spielt in der schrecklichen Zeit des Hochstalinismus - zwischen 1945 - 1951 - in Rumänien und stellt das leidvolle Schicksal der Siebenbürger Deutschen in den Mittelpunkt. Auf jeden Fall verdienstvoll und spannend, dass dieser Aspekt europäischer Geschichte ins Bewusstsein geholt wird. Auch wenn einen die Darstellungen der Verfolgung und Vertreibung, die Engstirnigkeit und Rohheit der stalinistischen Funktionäre immer wieder wütend machen, so wird aber doch aus der Geschichte des Fabrikantensohnes Clemens Rescher kein richgtiger Roman. Erlebnis reiht sich an Erlebnis, aber eine Handlung, eine Entwicklung der Personen oder ihrer Beziehungen untereinander will sich nicht ergeben. So wird es manchmal auch ermüdend und zäh sich durch die über 550 Seiten hindurchzuarbeiten.


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