Das Buch gehört HEUTE jedem Wirtschaftspolitiker und Gewerkschaftler unters KopfkissenDem Kapitalismus ist die selbstzerstörende Mechanik immanent "Kann der Kapitalismus weiterleben? Nein, meines Erachtens nicht". Klare Worte aus dem Mund des österreichisch-amerikanischen Ökonomen Joseph A. Schumpeter. Wenn ein Wirtschaftswissenschaftler den Untergang des kapitalistischen Systems prophezeit, dann dürfte das allgemeines Interesse erregen. Und in der Tat, dass passierte auch mit "Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie", als es im Jahre 1942 auf dem Markt erschien. Schumpeters Analysen brachten ihn zu dem Ergebnis, dass der Kapitalismus eines Tages an sich selbst zugrund gehen würde. Dabei war es für Schumpeter irrelevant, welches System er bzw. die Gesellschaft als besser empfinden würde. Irrelevant deshalb, weil der Untergang nicht durch eine äußere Macht - bspw. in Form einer Revolution wie bei Marx geschildert - an den Kapitalismus herantritt und man dieser Macht so hätte begegnen können. Nein, irrelevant desshalb, weil der Kapitalismus diese selbstzerstörende Tendenzen in sich trage. Ein Untergang sei damit unausweichlich. Dabei handelt es sich weniger um eine Zerstörung, als viel mehr um eine Weiterentwicklung, die in den Sozialismus münde. Dabei ist Schumpeter kein Kapitalismuskritiker. Er lobt die Errungenschaften des Kapitalismus. Genannt sei ganz generell die Erhöhung des Lebensstandards. Schumpeter ist jedoch der Meinung, dass der Kapitalismus auf Grund seiner immanenten Struktur nicht in der Lage sei, diese Leistungen zu wiederholen. Ob Schumpeter nun rund 60 Jahre nach dem Erscheinen des Buches Recht behält, bleibt fraglich. Der Kapitalismus ist nach wie vor präsent, wenn er auch momentan in seinen Grundfesten erschüttert und einer moralischen Beschauung unterzogen wird. Dennoch sind viele von Schumpeters prophezeiten Entwicklungen eingetreten. Die steigende Macht und die Anzahl der großen Konzerne, wie die Tatsache, dass der eigentliche Unternehmer wie wir ihn von früher kannten, abgelöst wurde von bezahlten Managern, die in erster Instanz ihre Eigeninteressen maximieren, seinen hier nur exemplarische Beispiele. Weiterhin zeigt uns das Buch von Schumpeter, dass Sozialismus nicht gleich Sozialismus ist. Teilweise geht Schumpeter mit den Vorstellungen von Marx konform, teilweise korrigiert und kritisiert er dessen Theorien, um eine eigene Vorstellung eines Systems zu präsentieren, was nach heutiger Auffassung Sozialismus genannt wird. Dieses Buch zeigt eine gekonnt und sprachlich sehr schön umgesetzte Analyse des Wirtschaftssystems, die auch ohne große ökonomische Vorbildung verständlich und damit von nahezu von jederman rezipierbar ist. Selbstverständlich ist diese Analyse nicht so tiefgreifend wie dies in wirtschaftswissenschaftlichen Büchern einer bestimmten Spezialisierung geschieht. Das würde auch den Umfang sprengen. Eine so tiefgreifende Analyse benötigt Schumpeter aber auch nicht. Die zerstörerischen Tendenzen finden sich auf einer viel oberflächlicheren Ebene. Kurz und knapp: Ein äußerst interessantes Buch, gerade in Zeiten, in denen der Kapitalismus auf dem Prüfstand zu stehen scheint.