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Vaterflucht: Roman
Carmen-Francesca Banciu

Rotbuch, 2009 - 128 Seiten

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Vaterflucht - nach 10 Jahren noch immer aktuell

Carmen-Francesca Banciu

Vaterflucht - Roman, 128 Seiten

Nach 10 Jahren wieder aufgelegt, hat der Roman von Carmen Francesca Banciu nichts von seiner Aktualität verloren. Die Aufarbeitung kommunistischer Herrschaft, die Verstrickungen vieler heute gebrochenen Menschen in den Geheimdienst Securitate, ist noch nicht abgeschlossen: für die Täter nicht und auch nicht für die Opfer.

Der sozialistische, der Neue Mensch," der entstehen sollte, frei von eigenem Willen, dem Allgemeinen und nur der Sache" dienend, die die kommunistische Partei war, ist nicht ohne Wirkung geblieben - für die Väter jener Diktatur ebenso wenig wie für die Töchter.

Der Roman von Carmen-Francesca Banciu erzählt vom Leben in eben dieser Zeit des sozialistischen Rumäniens und zeichnet ein bedrückendes Bild.

Vaterflucht ist zugleich eine Flucht vor der politischen Diktatur, erzählt in der Rückblende. Sie beginnt mit einem Wiedersehen. Die Tochter, die Ich-Erzählerin, ist längst erwachsen. Sie lebt seit Anfang der 80er Jahre im Westen und besucht nach sieben Jahren erstmalig ihren Vater in Rumänien. Die Mutter ist tot. Die Mauer zwischen Ost und West ist gefallen. Wie wird ihr der Vater begegnen?

Was ist aus der Tochter geworden, nachdem sie das Land verlassen hatte? Die Anforderung des Vaters an sie war äußerste Strenge walten zu lassen, damit die Tochter ein würdiges Mitglied der sozialistischen Gesellschaft wird. Vater, Mutter Tochter sollten Vorbild im Klassenkampf zum Wohle des Vaterlands sein. Mit aller Gewalt sollte die Tochter nach den Normen der Partei zu dem Neuen Menschen", dem Pflichtmenschen geformt werden, der sich allein für die Ziele des Sozialismus opfert.
Zum Spielen blieb da keine Zeit, denn im Sinne der sozialistischen Ideale musste das Kind allein Pflichten erfüllen. Daher bekam es Klavier-, Violinen-, Ballett- und Fremdsprachenunterricht. Um Verantwortung zu übernehmen, bekam es auch noch ein Tier, das es zu pflegen hatte.

Wie fast alle Kinder versucht auch diese Tochter, sich den Wünschen der Eltern anzupassen. Schließlich will sie geliebt werden und eine gute Tochter sein. Nachdem sie älter und kritischer geworden ist, erfährt sie, dass sie schon als Kind jahrelang von der Securitate bis in die privatesten Bereiche bespitzelt wurde. Sie erfährt es, nachdem sie eine Demonstration für ausgebeutete Bauern organisieren wollte.
In quälenden Verhören erkennt sie den menschenverachtenden Charakter dieses Gesellschaftssystems. Sie verlässt erst die Eltern und später das Land.

Nun nach sieben Jahren ist sie zurückgekehrt. Sie will die Motive des Vaters verstehen. Sieben Jahre sind eine gute Zeit. Eine Zeit des Vergebens." Kann es auch eine Zeit des Verstehens sein?

Ein nachdenkliches und zugleich poetisches Lesevergnügen.


RitaKuc

4.10.2009





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