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Arm und Reich: Die Schicksale menschlicher Gesellschaften
Jared Diamond

Fischer (Tb.), Frankfurt, 2006 - 583 Seiten

Kundenbewertung:(31 Bewertungen)
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Seit dem 16. Jahrhundert haben die Europäer maßgeblich bestimmt, wo es langgeht in der Welt -- in guten wie in schlechten Tagen. In Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften erläutert Jared Diamond, warum sich die Dinge so entwickelt haben. Es ist eine elementare Frage, und Diamond ist gewiß nicht der erste, der sie stellt. Seine besondere Leistung besteht jedoch darin, daß er sich auf wissenschaftliche Fakten stützt statt auf fadenscheinige Theorien über die genetische Überlegenheit der Europäer. Diamond, ein Professor der Physiologie an der University of California at Los Angeles (UCLA), weist darauf hin, daß die Geographie Eurasiens bestens geeignet war für die Entwicklung der Landwirtschaft und der Viehhaltung sowie für den freien Informationsfluß. Die bevölkerungsreicheren Kulturen, die sich daraus entwickelten, hatten komplexere Regierungs- und Kommunikationsformen -- und eine erhöhte Resistenz gegenüber Krankheiten. Darüberhinaus nutzte das zersplitterte Europa die Kraft der wettbewerbsorientierten Innovation in einer Weise wie es China nicht tat. (Zum Beispiel benutzten die Europäer die chinesische Erfindung des Schießpulvers, um die Schußwaffen zu entwickeln, mit denen sie dann die Neue Welt unterwarfen.) Diamonds Buch ist komplex und ein wenig verwirrend. Aber die These, die er methodisch vorbringt -- die Untersuchung der "positiven Feedback-Schleife" der Landwirtschaft, der Viehhaltung, der Bevölkerungsdichte, der Innovation, und so weiter -- ergibt Sinn. Geschrieben ohne Partei für irgendeine Seite zu ergreifen, ist Arm und Reich ein gutes Buch über die Weltgeschichte.


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Zeigt die wahren Faktoren für Fortschritt

Früher glaubten viele Menschen das die ethnische Herkunft, die sogenannte "Rasse", der entscheidende Faktor dafür sei wie fortschrittlich ein Volk werden konnte.

Heute glauben sehr viele Menschen im Westen, das ihr Fortschritt das den Rest der Welt lange Zeit extrem übertraf und auch heute noch vorherrschend ist, auf der Zeit der europäischen Aufklärung basiert.
Die Menschen glauben es sei ihre Kultur und die daraus hervorgehenden Denker und Erfinder der sie so fortschrittlich gemacht hat.

Und die dritte Welt, z.B. die islamische Welt, sei schwächer weil sie nicht die günstigere Kultur haben.
Es heißt, die dritte Welt müsse eine Aufklärung erleben wie Europa, damit Wohlstand und Fortschritt aufkommt.


Jared Diamond beweist in diesem Buch das die Ideologien die Fortschritt fördernd sind und die z.B. auch in der europäischen Aufklärung entstanden nicht die eigentliche Ursache des Fortschritt ist, sondern das letztendlich die Entstehung solcher Ideologien auf geographischen Vorteilen basiert.
Einfach gesagt, nur wer eine günstige Geographie hatte konnte Fortschritts fördernde Ideologien herausbilden.

Wer die Verteilung von Industriestaaten, dritte Welt Ländern und Schwellenländer mit der Verteilung der Klimazonen vergleicht wird schnell herausstellen das die Verteilung von Arm und Reich kein Zufall ist, sondern ein eindeutiges Muster zeigt wonach ca. 90% der Industriestaaten sich alle in der gemäßigten Klimazone befinden während die ärmsten Länder der Welt genau am Äquator sind.


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Absolut gelungen

Der deutsche Titel "Arm und Reich" ist leider ziemlich irreführend; bedauerlicherweise hat das auch bei einigen Rezensenten zur Verwirrung geführt. Der englische Originaltitel trifft es viel besser. Außer ganz am Schluss geht es doch gar nicht darum, warum heute einige Gesellschaften arm und andere reich sind. Vielmehr erklärt Diamond, wie die Entwicklung der Landwirtschaft und vor allem die unterschiedliche Ausstattung mit natürlichen Schätzen einigen Völkern einen erheblichen Vorsprung verschafft haben. Die Verlierer wurden meist "überrollt".

Bis zur Zeitenwende halte ich seine Theorie für absolut plausibel. An diesem Werk wird man als am Thema Interessierter kaum vorbeikommen (selbst wenn Einzelheiten vielleicht noch revidiert werden). Das Gesamtbild stimmt sicher.

Bei der Erklärung, warum heute Länder unterschiedlich reich sind, werden seine Thesen ein wenig dünn. Hier sei die ergänzende Lektüre von David Landes' Wohlstand und Armut der Nationen: Warum die einen reich und die anderen arm sind und von Paul Kennedys Aufstieg und Fall der großen Mächte: Ökonomischer Wandel und militärischer Konflikt von 1500 bis 2000 empfohlen. Die ganze Wahrheit ist vielleicht sowieso noch nicht erzählt. Aber Jared Diamond hat uns ein ganzes Stück weitergebracht.


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aufschlussreich

Ein geniales Buch. Diamond beschreibt in sehr lesbarer Weise, wie unterschiedlich die gesellschaftliche Enwicklung in verschiedenen Weltregionen stattgefunden hat, und gibt dabei faszinierende Erklärungen für diese Unterschiede. Seien es biologische Gründe (unterschiedliches Vorkommen von agrarisch nutzbaren Tieren) oder geografische (Verbreitung von Nutzpflanzen in ost-westlicher Richtung ist einfacher als in nord-südlicher). Dabei kommen (für mich) völlig neue Aspekte, wie die voneinander unabhängige Erfindung des Ackerbaus in den verschiedensten Weltregionen (allerdings nicht in Europa). Ich fand das Buch alles in allem sehr beeindruckend, weil es einen eigene Vorstellungen hinterfragen lässt, und dabei trotzdem gut unterhält.
Trotzdem, vielleicht spielen ja kulturelle Enwicklungen, die "zufällig" und nicht nur durch geografische Determinanten entstanden sind, doch eine klitzekleine Rolle bei der Entwicklung.


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Eine neue Sichtweise auf die Weltgeschichte

Jared Diamond kann man getrost als einen Universalgelehrten bezeichnen und mit diesem Buch beweist er dies eindrücklich. Seine Erklärung des Ablaufs der Menschheitsgeschichte seit dem Ende der letzten Eiszeit ist schlüssig und bietet eine neue Sichtweise auf größere Zusammenhänge, die dem Leser bisher meistens vollkommen entgangen waren. Der englische Titel "Guns, Germs and Steel" stellt dabei bereits die Haupt-Argumente bereit, warum die europäischen Kolonialmächte Amerika und Australien erobern konnten (und warum nicht im Gegenteil die Inkas nach Europa zogen, um diesen Kontinent zu erobern). Dieser englische Original-Titel passt dabei viel besser zum Inhalt des Buchs, da es dem Autor gar nicht darum geht, warum heutige Staaten ärmer oder reicher sind als andere, was die deutsche "Übersetzung" des Titels suggeriert. Stattdessen geht es um die langfristige Entwicklung ganzer Kontinente aufgrund ihrer Möglichkeiten zur Landwirtschaft und den darauf basierenden frühen Erfindungen, was eine überzeugende Erklärung dafür liefert, warum Amerika und Australien heute hauptsächlich von den Nachfahren europäischer Siedler bewohnt werden. Erklärungen darüber, warum z.B. diese europäischen Kolonien so unterschiedliche Entwicklungen genommen haben, werden in diesem Buch leider noch nicht gegeben. Für die Unterschiede innerhalb Eurasiens werden zwar Erklärungsversuche angebracht, diese sind aber leider noch nicht so ausführlich und überzeugend wie die Erklärungen zu den Unterschieden zwischen Eurasien und der Neuen Welt.

Einziges Manko dieses Buchs sind die zu häufigen Wiederholungen, die leicht heraus gekürzt werden könnten. Manchmal merkt man halt doch, dass Jared Diamond eben ein Naturwissenschaftler und kein Schriftsteller ist.


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Umfangreich, aber unvollständig

Das Buch hat im Original den Titel »Guns, germs and steel« und drückt damit besser die Hauptthese in Diamonds Buch aus: »dass die Geschichte verschiedener Völker unterschiedlich verlief, beruht auf Verschiedenheiten der Umwelt und nicht auf biologischen Unterschieden zwischen den Völkern.« Beispielhaft wird daneben Pizzaros Erfolg bei der Niederwerfung der südamerikanischen Ureinwohner »durch die Militärtechnik mit Kanonen, Waffen aus Stahl und Pferden, ansteckende Krankheiten eurasischer Herkunft, Schiffbau und Navigation, die zentralistische politische Ordnung europäischer Staaten und nicht zuletzt die Schrift« erklärt.

Als hervorragendes Beispiel wird der fruchtbare Halbmond beschrieben. »Mit der biologischen Vielfalt Vorderasiens auf engem Raum hängt auch ein Vorteil zusammen: der Reichtum dieser Region nicht nur an Vorfahren wertvoller Kulturpflanzen, sondern auch an Vorfahren domestizierter Säugetiere.« Besser: domestizierbarer Säugetiere. Denn dies ist nach Diamond ein Unterscheidungsmerkmal für den Vorteil eurasischer Umwelt im Gegensatz zur afrikanischen. Auch gilt »Gesellschaften von Jägern und Sammlern sind in der Regel vergleichsweise egalitär.« Nun entwickeln sich durch den Aufbau bäuerlicher Gruppen scheinbar konsequenterweise hierarchische Gesellschaften.

Diamond beschreibt auf den ersten 400 Seiten ausführlich, mit einigen Wiederholungen, manchmal langatmig, die Entwicklung der Menschheit bis zur Zeitenwende. Seine Thesen sind nachvollziehbar, zeitweise aber spekulativ oder selektiv. Warum wird der Aufstiegs und Niedergang Roms oder anderer Staaten wie in Griechenland kaum erwähnt? Die für Europas Entwicklung fundamentale Völkerwanderung, ihre Ursachen und Auswirkungen werden mit keinem Wort erwähnt. Und doch behandelt Diamond immer wieder den Zusammenprall der europäischen mit der amerikanischen Welt am Ende des Mittelalters. Die Jahrhunderte davor blendet er größtenteils aus. Die Ursachen für die Machtverschiebung von Vorderasien nach Westen bleiben plakativ.

Immerhin kommt er im Epilog auf einige Fragestellungen zurück, die er selbst in seinem Werk nicht beantwortet: »Wie kam es, dass Vorderasien und China ihren enormen Vorsprung von mehreren tausend Jahren vor dem Nachzügler Europa eingebüßten?« Seine vordergründigen Erläuterungen wirken unbeholfen, an die tieferen Ursachen kommt er nicht heran. Auch widerspricht er sich selbst, indem er einerseits despotische Regimes für Rückschritte in der gesellschaftlichen Entwicklung in Vorderasien und China verantwortlich macht, andererseits aber den »Einfluss einzelner Gestalten der Geschichte« als sehr gering bewertet.

Diamond bezieht seine Aussagen vorwiegend auf seine Forschungsergebnisse aus Neuguinea, das er in den letzten Jahrzehnten mehrfach besucht und dessen Geschichte er tiefgreifend erforscht hat. Darauf aufbauend behauptet er »Mit dem Aufkommen von Häuptlingsreichen vor rund 7500 Jahren wurden Menschen erstmals in der Geschichte vor die Notwendigkeit gestellt, regelmäßig mit Fremden zu verkehren, ohne ihnen gleich nach dem Leben zu trachten.« Das heißt, dass zuvor Menschen, die sich nicht kannten, sich prinzipiell feindselig eingestellt waren. Zumindest scheint das immer noch so in Neuguinea zu sein. Wie der Autor durch seine Reiseberichte mit seinen Freunden darlegt, deren gegenseitige Abneigung, ja Aggression allgegenwärtig und 'normal' zu sein scheint. Doch kann man aus den Erfahrungen in Neuguinea auf globale Gewaltbereitschaft schließen? Bemerkenswert ist der Hinweis des Autors auf das malaiische Wort 'Amok', das vor wenigen Jahrhunderten Eingang in europäische Sprachen gefunden hat. Warum untersucht er diese Entwicklung, deren Ursachen nicht weiter, obwohl er sich doch sonst intensiv mit der Glottochronologie beschäftigt?

Eigenwillig ist meines Erachtens folgende Aussage: »In Anbetracht der Milliarden von Eichhörnchen, von denen jedes Jahr für Jahr Hunderte von Eicheln an praktisch alle für das Gedeihen neuer Eichbäume geeigneten Stellen verteilt, hatte der Mensch keine Chance, Eichen nach dem Kriterium, ob ihre Früchte seinem Geschmack entsprachen, auszulesen.« Das ist also selektive Umwelt!

Insgesamt ein umfangreiches Werk, das jedoch viele Fragen offen lässt. Dass Umwelt grundlegende Bedingungen für die Entwicklung der menschlichen Gesellschaften schafft wird überzeugend dargelegt. Aber dass Kapitalismus hinter dem Aufstieg Europas steht, ohne zu erklären, warum er in Vorderasien oder Chinas keine Erfolge zeitigte, wirkt aufgesetzt und vordergründig. Insbesondere unter dem Blickwinkel der großen kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften der (vorder-)asiatischen Welt bis zur ersten Jahrtausendwende unseres Zeitalters. Schlussendlich wäre es heutzutage sicherlich interessanter, statt sich mit der Entwicklung der Japaner und Koreaner zu beschäftigen, allgemeiner die Bedeutung und Ergebnisse der genetischen Analysen oder der Epigenetik zu berücksichtigen. Diese finden aber nur oberflächlichen Eingang in Diamonds Buch.



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Rezensionen: Seite 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7



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