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Erinnerung an meine traurigen Huren
Gabriel Garcia Marquez

Fischer (Tb.), Frankfurt, 2006 - 160 Seiten

Kundenbewertung:(41 Bewertungen)
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Wenn man älter wird, bleibt oftmals nur Erinnerung. So ist es auch beim Ich-Erzähler im Roman Erinnerung an meine traurigen Huren des großartigen kolumbianischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Gabriel García Márquez, der immerhin seinen 90. Geburtstag feiert und im Buch der leichten Mädchen blättert, die er im Laufe seines Lebens für Sex bezahlte. Oder doch zumindest fast. Denn Márquez wäre nicht Márquez, hätte er nicht auch diesmal wieder eine ganze Reihe raffinierter Wendungen und narrativer Wunder in seine Geschichte mit eingeflochten. Und so beginnt das erzählerische Feuerwerk von Erinnerung an meine traurigen Huren gleich mit dem ersten, überraschenden Satz: „Im neunzigsten Jahr meines Lebens wollte ich mir zum Geburtstag eine liebestolle Nacht mit einem unschuldigen Mädchen schenken“.

Was die „Reinheit meiner Prinzipien“ angeht, so hatte Rosa Cabarcas, Besitzerin eines geheimen Bordells, das Wesen des Erzählers bereits früh durchschaut: „Auch die Moral ist nur eine Frage der Zeit, sagte sie mit einem maliziösen Lächeln, du wirst schon sehen.“ Aber die Reinheit der Prinzipien ist doch stärker als die Intuition der Frau. Denn der Greis rührt die ihm zugeführte Delgadina in der Liebesnacht nicht an. Aus dem Wunsch nach Sex wird Liebe, und als Delgadina plötzlich verschwindet, fürchtet der Erzähler nichts mehr, als dass ein anderer vollendet haben könnte, was er zum Glück im letzten Augenblick zu verhindern verstand.

Für Gabriel García Márquez, der uns mit Romanen und Erzählungen wie Hundert Jahre Einsamkeit oder Chronik eines angekündigten Todes ein ums andere mal verzaubert hat, gehört Erzählen zum Leben dazu wie Essen und Schlaf. Deshalb war es nur eine Frage der Zeit bis zum Erscheinen des neuen Buchs. Trotzdem haben wir zehn Jahre auf dieses Ereignis warten müssen. Aber das Warten hat sich gelohnt. Denn Erinnerung an meine traurigen Huren strotzt nur so von Altersweisheit, Lust und Liebe. Mit diesem Buch hat der Autor dem alten literarischen Topos vom alten Mann und dem Mädchen ein neues, in allen nur erdenklichen Farben des phantastischen Realismus seiner Heimat schillerndes Denkmal gesetzt.

Schade ist da nur, dass García Márquez einen eher schmalen Band vorgelegt hat. Aber wenn sein nächstes Buch nur annähernd so gut sein sollte wie dieses, dann wollen wir gern wieder zehn Jahre darauf warten. --Stefan Kellerer


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Das Leben ist zu kurz, um es zu verschwenden ...

Was ist paradoxer? Der Wunsch eines 90-jaehrigen Mannes, die Nacht mit einer 19-jaehrigen Jungfrau zu verbringen oder der Umstand, das sich ein 90-jaehriger in eine 19-jaehrige verliebt?
Angesichts dessen, was uns ueber das Alter (die Jugend), die Liebe und die Moral vorgegaukelt wird, wohl beides.
Die Hauptperson des Romans lebt sein eigenes Leben. 90 lange Jahre. In Einsamkeit. Und in Bordellen. Liebe hat er nie erfahren, bis zu dem Tag, als er zum wiederholten Male ein Bordell aufsucht und nach einer 19-jaehrigen Jungfrau ruft, mit der er die Nacht verbringen will. Doch es kommt anders, er ruehrt die Frau nicht an und verliebt sich in sie, als er sie die Nacht ueber beobachtet. Dieses Gefuehl der Liebe wiederfaehrt ihm das 1. Mal in seinem Leben und veraendert ihn. Er faengt an, das Leben zu geniessen und Ansprueche zu stellen, an sich selbst und seine Umwelt. Doch es ist fast zu spaet und aufgrund seines Alters geradezu tragisch, mit dem Leben fast 90 Jahre gewartet zu haben. Darueber kann auch nicht die neu gewonnene Freude hinwegtaeuschen und die Illusion, den 100. Geburtstag noch erleben zu wollen. Die zurueckliegende Einsamkeit und die verpassten Chancen koennen nicht mehr geaendert werden und muessen aufgrund der spaeten Liebe doppelt schmerzen. Dennoch ist das Leben zu kurz, um sich mit dem Vergangenen zu belasten und Chancen abzutun. Denn mit dem Tod endet das Leben und dem Wunsch auf ein erfuelltes Leben wird auch durch das Alter keine Grenze gesetzt. Ein Pladoyer fuer ein erfuelltes Leben bis zum letzten Atemzug, orientiert an eigenen Regeln und Moralvorstellungen, solange diese niemanden verletzen, frei von allen gesellschaftlichen Manipulationsversuchen. Erst dann haben wir die Stufe des Menschseins erreicht. Und damit sollten wir anfangen, je frueher, desto besser ...


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Poetische Lebens- und Liebesgeschichte

Als ich mir vor der Lektüre dieses Büchleins mal einige Meinungen und Rezensionen durchlas, war ungefähr die Hälfte davon vernichtend. Es ginge in diesem Buch nur um die perversen Fantasien eines alten Mannes, wie konnte der Autor nur so etwas zu Papier bringen?!...

Das habe ich keinesfalls so empfunden. Es geht um die Liebe, die erlebte und die nie erreichte. Es geht um das Alter und das Leben an sich. Um Erwartungen und Enttäuschungen, um Glück und Unglück. Ein Buch, in dem man viele Sätze anstreichen kann, weil sie so treffend und schön sind.
Der Inhalt wurde im Klappentext schon gut zusammengefasst, doch hinter diesen Sätzen steckt viel mehr. Poetisch und ausdrucksvoll, bisweilen auch sehr direkt und dadurch etwas unangenehm, erzählt der Autor hier die Geschichte eines alten Mannes, der erst mit 90 Jahren merkt, was er verpasst hat, was er eigentlich immer gesucht hat.

Ich finde dieses Werk sehr gelungen und kann keine "Perversitäten" entdecken, die uns nicht sowieso täglich begegnen... So ist das Leben.



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Eine emotionale Chronik

Ich habe dieses Buch am Wochenende gelesen und bin im Grunde begeistert.
An den Diskussionen über das beste Werk von Marquez bzw. über die Frage ob dies nun ein eher dürftiges Buch von ihm ist, kann ich nicht teilnehmen. Ich habe bis jetzt nur das und "Chronik eines angekündigten Todes" gelesen und beide würde ich als durchaus fesselnd bezeichnen.
"Erinnerung an meine traurigen Huren" ist m. E. sogar noch eine Spur besser da es sich flüssiger lesen lässt und ich persönlich auf "Gedanken basierende" Bücher bevorzuge.

Marquez beschreibt hier eindrucksvoll die letzten Monate eines einsam vor sich hin alternden Mannes der bis zu seinem 90. Geburtstag nur von Bordellbesuchen und seiner monotonen Schreibtischarbeit berichten konnte, denn sonst hat er nicht viel erlebt.
Dies ändert sich jedoch. Der 90. rückt näher und etwas besonderes muss her. Er plant mit einer Jungfrau die Nacht zu verbringen, doch rührt er sie, obwohl er Nacht für Nacht das Bett mit ihr teil, nicht an. Es erwachen Gefühle in ihm die er bis dato nie gekannt hatte. Ein 90-jähriger spürt zum ersten mal was es heißt zu lieben, mit allen Konsequenzen. Er beginnt in Gedanken sein Leben noch einmal zu vollziehen...

Diese Gefühlswelt die hier vermittelt wird ist melancholisch geprägt und zeigt Züge einer etwas älteren Philosopohie.
Stimmen die behaupten dieses Buch sei widerwärtig oder phädophil kann ich nur eins entgegen setzten: lest dieses Buch und dann können wir erneut darüber reden.

Eine emotionale Chronik des Alterns und des Verlangens nach der lang andauernden Jugend



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Klein und fulminant

Nicht immer muss ein großartiger Roman, eine gute Geschichte, 500 oder gar 1000 Seiten haben. Es genügen auch nur knapp über 100 Seiten dafür, wie "Erinnerung an meine traurigen Huren" beweist. Es ist die (auto)biografisch angehauchte Erzählung eines freiberuflichen Reporters, der am Vorabend seines 90(!)Geburtstags beschließt, mit einer blutjungen Hure zu schlafen. Er sagt, er habe sein Lebenlang nur mit Huren verkehrt, nie aus Liebe mit einer Frau geschlafen und obendrein keine Familie. Doch als das schlafende Mädchen vor ihm liegt, bringt er es nicht übers Herz. Stattdessen entwickelt er eine morbide Zuneigung zu ihr.
Die Thematik "alter Mann, der immer noch Lust hat" wurde mehrmals von bekannten Autoren aufgegriffen, wie z.B. Kawabata, Roth oder jüngst Walser, und ist insofern nichts Atemberaubendes. Hier ist jedoch Marquez Schreibstil, eine Mischung aus elaborierter Wortwahl und einfacher Satzstruktur, ausschlaggebend dafür, dass dieses Buch zu dem geworden ist, was man auf Englisch einen "page-turner" nennt.


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Rezensionen: Seite 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9



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