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Brief an meine Mutter
Waris Dirie

Ullstein Tb, 2008 - 224 Seiten

Kundenbewertung:(8 Bewertungen)
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Waris Dirie hat noch etwas zu erledigen. Das große Ziel der „Wüstenblume“ ist bereits erreicht. Die Geschichte ihrer Flucht, die Sensibilisierung und Anprangerung der unsäglichen Praxis der Genitalverstümmelung, all dies hat die Somalierin als Vorkämpferin gegen die unhaltbaren Zustände in ihrer Heimat bekanntgemacht. Waris Dirie ist im Westen angekommen, sie machte als Model Karriere und befindet sich heute – wie die Prominentenbildstrecke im Buchinnern aufzeigt – auf Augenhöhe mit den Großen dieser Welt. Nur eines gelang ihr nicht: Die Liebe und das Verständnis der eigenen traditionsverhafteten Mutter, einer strenggläubigen Muslima, zu gewinnen, die den Werdegang und das Verhalten der Tochter zutiefst missbilligt. Waris Diries vielleicht schwierigste Überzeugungsarbeit!

Spätestens seit Kafkas “Brief an den Vater” weiß man um die psychologische Überhitzung, die gerade unter einander nahestehenden Menschen zu regelrechten Entladungen führen kann. Alles begann im Herbst 2005, als Waris Dirie ihre lebensbedrohlich erkrankte Mutter aus Somalia zu sich nach Wien holte. Schon nach wenigen gemeinsamen Tagen reißen die alten Gräben wieder auf. Die Mutter, westlichen Gepflogenheiten gegenüber misstrauisch und verschlossen, empfindet den Lebenswandel der Tochter als nichtswürdigen Verrat an Heimat und Tradition. Während Waris um ein wenig mütterlichen Stolz für ihr Lebenswerk förmlich bettelt, empfindet diese nichts als Scham und Verachtung für die fremdgewordene Tochter. Wo das Gespräch versiegte, half nur noch die Briefform.

Wie fühlt es sich an zu wissen, dass die eigene Mutter immer noch regen Kontakt zu jener Frau pflegt, die Waris Dirie einst als Kind beschnitten hatte? Schlimme Fragen, die eine Antwort suchen. Außerhalb des Briefkonvoluts recycelt die Autorin noch einmal die Thematik ihrer früheren Bücher. Berichtet über die Schattenseiten ihrer Modelkarriere und die heutigen magersüchtigen Models, die für jeden hungernden Afrikaner einen Schlag ins Gesicht bedeuten müssen. Hadert mit ihrem ganz persönlichen Teufel, dem „bad water“. Und leistet unermüdliche Missionarsarbeit, den Graben zwischen Tradition und Fortschritt am Beispiel der Mutter langsam wieder zuwachsen zu lassen. --Ravi Unger


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Für Waris-Neulinge: sehr lesenswert, fesselnd, bewegend

Endlich mal wieder ein Buch, daß mich fesselt. Nach "Dschungelkind" von Sabine Kuegler werde ich von Waris gepackt und geführt, in Ihr Leben, in Ihre Gegenwart. Werde all dem nah und berührt.
Leider ahne ich, weshalb Sie im Westen dem Alkohol verfällt: Der fortwährende Kampf gegen FGM und die Konfrontation mit ihrem Trauma, lassen Sie die eigene Verbundenheit und Liation mit der Mutterkultur unterschätzen und führen zu einem schwer ertragbarem seelischen Spagat. Nur mit Sport Abstand zu finden? Hoffentlich. Sprituell unterstützt wäre der Ausstieg, denke ich, nachhaltiger.


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Sehr emozionales Buch

Habe bisher alle Bücher von Waris Dirie gelesen.Dieses hier fand ich am emotionalsten.Wahrscheinlich weil es sehr zu Herzen geht wie die Mutter sich ihr gegenüber verhält.Wie sie um deren Liebe und Anerkennung kämpft.Definitiv kein Buch zur leichten Unterhaltung,aber sehr lesenswert weil es Waris sehr liebenswert macht.


Fremde Mutter

Es gibt Bücher, die man liest will, weil man bereits ein anderes Buch des Autoren oder (noch häufiger) der Autorin gelesen hat.
Dazu gehört auch dieses. Es hat sicher nicht die Klasse der "Wüstenblume", doch es ist flüssig geschrieben, mitunter
berührend und stimmt auch nachdenklich. Wir erfahren viel von kulturellen Unterschieden. Einer somalischen Diaspora, die von Machismus und parasitärer Trägheit geprägt zu sein scheint und auf die auch sonst kein gutes Licht fällt. Von einer Tochter-Mutter-Beziehung, die von Fremdheit und einem verzweifelten Werben um Verstehen seitens Waris geprägt ist. Die beeindruckenden Erfolge der jungen Frau zählen auf merkwürdige Weise nicht: nicht für die Mutter und nicht einmal für sie selbst.
Sie bleibt in ihrem kargen Selbstbewusstsein zerbrechlich, authentisch, beseelt, schön: eine Wüstenblume.


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Rezensionen: Seite 1, 2



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