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Wohlstand und Armut der Nationen: Warum die einen reich und die anderen arm sind
David Landes

Pantheon Verlag, 2009 - 688 Seiten

Kundenbewertung:(8 Bewertungen)
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Harte Wahrheiten

Es ist sehr lehrreich, die umfangreichen Rezensionen - gerade auch zu der gebundenen Ausgabe - zu lesen. Landes hat in ein Wespennest gestochen. Während Wirtschaftsliberale denken werden, dass er nur ihre Meinung bestätigt, werden Dritt-Welt-Bewegte mit seinen Thesen kaum etwas anfangen können. So kam es wohl auch zu den zahlreichen Ein-Punkt-Wertungen.
Man sollte allerdings darauf schauen, was Landes mit dem Buch will und was er tatsächlich schreibt. Ich habe den Verdacht, dass etliche Rezensenten das Buch in Wirklichkeit gar nicht gelesen haben, zumindest nicht vollständig. Ein Buch nur deswegen abzuwerten, weil es nicht den eigenen Überzeugungen entspricht, wirkt schwach.

Landes selbst betont, dass es nicht um "bessere" Gesellschaften geht, sondern um "produktivere". Und da trifft er einfach den Punkt: Weder ist es nur das Klima, noch Naturkatastophen oder eine Randlage, die Reichtum oder Armut bestimmen. Die beste Erklärung ist tatsächlich, dass kulturelle Unterschiede den Ausschlag gaben.

Mit seinen intellektuellen Gegnern geht Landes hart ins Gericht, deswegen erwartet er selbst wohl kaum Schonung. Allerdings sollte Kritik versuchen, intellektuell redlich vorzugehen. Viele seiner Kritiker könen nicht überzeugen.


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Der Faktor Gewalt-Anwendung fehlt ...

David Landes stapft in einer übersichtlichen Drei-Gliederng durch sein Thema: (1) Geographie als Faktor: Hitze vs. gemäßigtes Klima (wie war das eigentlich bei der grandiosen Pyramiden-Bauleistung? Theoretisch dürften die gar nicht stehen). Transport-Wege, Zentral- oder Randlage (allmählich eine überflüssige Überlegung in den Zeiten des worl-wide-web und des BilligFliegers). (2) Infra-Struktur: der Standard der medizinischen und bildungspolitischen Versorgung (der mit dem gleichen Thema beschäftigte Jared Diamond schreibt, dass Orientalen normalerweise einen IQ hätten, der um 10 Werte über dem von Amerikanern liege). Neben der Anwendung und Akzeptanz wissenschaftlichen Denkens hält Landes den Faktor bürgerliche (Bewegungs-)Freiheit für sehr relevant. (3) Kulturelle Leitbilder als Faktor: Von der Arbeits-Ethik bis zur Rolle der Frau, von der Liebe zur Technik bis zur Gelassenheit gegenüber Öffnungs-Prozessen sieht Landes hier seinen Analyse-Lieblingsbereich. Dahinein gehören auch die etwas anekdotenhaften Bemerkungen über die japanische Frau oder die Einordnung des Essens mit Stäbchen als Begünstigungsfaktor für die handgeschickte Verfertigung von MikroChips in asiatischen Ländern. Die Einführung von AirConditioning hätte den Süden der USA wesentlich vorangebracht. Vielleicht hätte er etwas weiter zurückdenken müssen: Rücksichtslose Arroganz, Menschen-Ausbeutung, rassistische Kälte haben den Süden der USA zunächst einmal zum WirtschaftsFaktor gemacht. Vielleicht übertüncht rücksichtslos angewandter Machiavellismus [ein in dem Buch fehlendes Kapitel (4)] auch heutzutage mancherorts noch so günstige geographische, infrastrukturelle oder kulturelle Faktoren. Wie sich bestimmte Regionen auf dieser Welt durch absichtliche, feindlich gesonnene Destabilisierungs-Aktionen Vorteil verschaffen, ist leider in einem solchen Werk viel zu stark außer Acht gelassen ...


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Weltgeschichte aus der wirtschaftlichen Perspektive

David Landes' "Wohlstand und Armut der Nationen" holt zum sehr grossen Wurf aus. Wie er selbst im "Vorwort und Dank" darlegt, geht es ihm um nichts weniger als eine Weltgeschichte zu schreiben, aber eben aus der oekonomischen Sicht. Warum ist die Welt so wie sie ist? Warum sind die einen reich und die anderen arm? Dies sind die Ausgangsfragen, und sie zu beantworten ist sein Anliegen ueber fast 530 Seiten.

Man mag durchaus mit einzelnen Thesen und Aussagen nicht uebereinstimmen (er moechte ja auch provozieren), aber ganz grds. macht die Gesamtschau der Argumentation und sein Gesamtansatz Sinn. Landes vetritt hier auch keineswegs eine wissenschaftliche Mindermeinung, sondern liegt durchaus im Mainstream der wirtschaftsgeschichtlichen Forschung.

So bezieht sich auch Landes im wesentlichen auf die Grundthese von Max Weber, dargelegt in der "Protestantischen Sozialetik": alles steht und faellt mit dem kulturellen und religioesen Erbe einer Gesellschaft, gepaart mit aeusseren Umstaenden wie Klima, Topographie etc. Dreh- und Angelpunkt dabei jedoch die kulturelle Grundausstattung der Menschen, und wie sehr sie auf wirtschaftlichen Erfolg und Wohlergehen im Diesseits geeicht, bzw. sogar dazu auffordert sind.

Obwohl der Fokus eher auf Europa liegt und aussereuropaeische Kulturkreise nur mehr am Rande behandelt werden, ist, meine ich, der grosse Wurf dennoch gelungen. Das Lesen ist angenehm gestaltet, der wissenschaftliche Erkenntniszuwachs ist zwar eher gering (aber das ist ein Sachbuch fuer die interessierte, dennoch breite Masse), und sogar ein gewisser Unterhaltungswert ist festzustellen: volle Punktzahl erreicht!



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Große Geschichtsschreibung

Selten äußert sich ein Autor über seine Absichten so ehrgeizig wie David Landes. Schon auf der ersten Seite teilt er seinen Lesern mit, daß er in diesem Buch beabsichtige, "Weltgeschichte zu schreiben". Nicht im Sinne eines Gesamtpanoramas der Jahrtausende, sondern in Gestalt des Versuches, die drei aus seiner Sicht wichtigsten historischen Fragen zu beantworten: Worin liegen die Ursachen der Industriellen Revolution, warum begann diese beispiellose Umwälzung aller gesellschaftlichen Verhältnisse gerade im England des ausgehenden 18. Jahrhunderts, und weshalb gelang es bislang nur wenigen Ländern, dem englischen Beispiel zu folgen?

Leichten Herzens überspringt Landes in seiner Darstellung ganze Epochen und konzentriert sich gezielt auf jene Knotenpunkte der Geschichte, an denen die Entscheidung über die Industrialisierung einer Gesellschaft fiel oder vorbereitet wurde. So gerät England nur für die Zeit des Hundertjährigen Krieges und etwas ausführlicher im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert in den Blick, Spanien in der frühen Neuzeit, Japan im 19. und frühen 20. Jahrhundert, China zu Beginn seiner Geschichte und in der Mandschu-Zeit, usw.

Diese sehr selektive Vorgehensweise ermöglicht es Landes, sein literarisches Talent ungehindert zur Geltung zu bringen. Für die ausgewählten Perioden zeichnet er ein gesellschaftliches Gesamtpanaorama, das auch politische und kulturelle Faktoren einbezieht, wobei er es meisterhaft versteht, allgemeine Tendenzen durch unterhaltsame Geschichten zu veranschaulichen. So wird der Leser packend über die Qualen der transatlantischen Sklaventransporte unterrichtet, er erfährt, daß die aztekische Religion ihren mörderischen Zug dem Hohepriester Tlacallel verdankte, er kann die Reise Mansa Musas, des sagenhaft reichen Königs von Mali nach Mekka verfolgen, er wird zum Zeugen der Taten Robert Clives beim Kampf um die englische Vorherrschaft in Indien, usw.

Solche Erzählkunst mag für Landes' Argumentation nebensächlich sein, liefert aber derart interessanten Lesestoff, daß dieser allein schon die Lektüre lohnt. Seit Ranke, Mommsen und Michelet ist Geschichtsschreibung auf hohem literarischen Niveau selten geworden. Weil die meisten zeitgenössischen Historiker sich verpflichtet fühlen, ihr Publikum zu langweilen, vergessen wir zunehmend, wie farbig die Vergangenheit war, und wie faszinierend die Menschen, die sie gestalteten. Allein der Umstand, daß Landes uns dies wieder in Erinnerung ruft, macht sein Buch zu einem ungewohnten geistigen Genuß.

Darüber hinaus ist es auch wissenschaftlich ergiebig. Aufschlußreich ist zunächst einmal Landes' klare Feststellung darüber, welche Faktoren für den Aufstieg Englands und Europas KEINE Rolle spielten. Hier ist vor allem an die koloniale Ausbeutung, an militärische Gewaltanwendung, an den Zugriff auf Rohstoffe und den Besitz großer Geldvermögen zu denken. Die Unterwerfung der Azteken und Inkas machte die Spanier zwar sagenhaft reich, verhalf ihnen aber nicht zu dauerhafter ökonomischer Entwicklung. Spanien, so stellt Landes fest, wurde letztlich arm, weil es zeitweise ZU viel Geld hatte. Das Gegenbeispiel ist England, dessen Industrialisierung von kleinbürgerlichen Pionieren angestoßen wurde, deren Investitionskapital fast ausschließlich aus den eigenen Ersparnissen stammte. Erst NACHDEM die neuen Fabriken angefangen hatten, Profite abzuwerfen, wurden die großen Finanzmagnaten der Zeit auf sie aufmerksam.

Diese Gegenüberstellung illustriert die grundlegende Einsicht des Buches: Der Industrialisierungsprozeß, so Landes, ist primär gesellschaftsINTERN bedingt, und seine entscheidende Ressource liegt in der Arbeitsleistung der eigenen Bevölkerung.

Allerdings komme es darauf an, diese Leistung optimal zu nutzen und zu organisieren. Gerade hier sieht Landes die Besonderheit Europas. Seine Vorteile lassen sich in fünf Voraussetzungen zusammenfassen:
1) Eine günstige geographische Lage (gemäßigtes Klima, fruchtbarer Boden, reichlicher Niederschlag).
2) Geeignete politische Rahmenbedingungen (politische Fragmentierung und relative Schwäche hinderten die europäischen Staaten daran, die eigene Bevölkerung unbegrenzt auszubeuten. So entstanden gesicherte Eigentumsrechte, Freiheitsspielräume für die Individuen sowie inner- und zwischengesellschaftliche Konkurrenz).
3) Relativ geringe soziale Ungleichheit, verbunden mit hohen Arbeitslöhnen. Daraus ergaben sich ein beachtlicher Lebensstandard der arbeitenden Bevölkerung und Massenkaufkraft. Dies wiederum schuf den Anreiz für technische Neuerungen.
4) Außergewöhnliche wissenschaftlich-technologische Innovationsfähigkeit (Europa holte nicht nur den zeitweiligen technologischen Vorsprung Chinas auf, sondern brachte auch als einzige Hochkultur die moderne Wissenschaft hervor).
5) Eine Wertesystem, das rastlose Berufstätigkeit und sparsames Leben erstrebenswert erscheinen ließ (Landes bekennt sich ausdrücklich zu Max Webers Deutung der protestantischen Ethik als eines Motors der Industrialisierung).

Nur in Europa und Japan war Landes zufolge dieses Faktorenbündel vorhanden. Daher hätte sich Japan als einziges außereuropäisches Land auch ohne westliche Vorbilder industrialisieren können (hier sind Zweifel angebracht - wo war das japanische Gegenstück zur modernen Wissenschaft?), während China dazu die politischen und kulturellen Voraussetzungen, Indien und der islamischen Welt zusätzlich auch die technologische Kapazität fehlten.

Der Eigenart seines Buches entsprechend, fließen die fünf Bedingungen ganz zwanglos in Landes' Erzählung ein, ohne je systematisch miteinander in Beziehung gesetzt zu werden. In gewisser Weise schlägt hier der große Vorzug des Buches, seine literarische Souveränität, in einen Nachteil um, denn Landes muß viele Fragen unbeantwortet lassen, die eine theoretischere und analytischere Stoffpräsentation sehr wohl hätte klären können. Handelt es sich bei den genannten Faktoren um hinreichende oder nur um notwendige Bedingungen der Industrialisierung? Sind einige grundlegender als andere? Welche Zusammenhänge bestehen zwischen ihnen?

Nur indirekt läßt Landes erkennen, daß er wohl der Kultur, deren Bedeutung im zweiten Teil des Buches zunehmend unterstrichen wird, den zentralen Stellenwert im kausalen Bedingungsgefüge einräumt. Während er in bezug auf Europa weitgehend Max Webers klassischer Studie über die protestantische Ethik folgt, beschränkt er sich hinsichtlich anderer Kontinente allerdings auf Andeutungen, und unternimmt nirgends den Versuch, die Kultur selbst zum Erklärungsgegenstand zu machen. Warum der Industrialisierung förderliche geistige Einstellungen überhaupt entstehen, und warum dies, wie Landes nahelegt, nur in Europa und Japan geschah, bleibt offen.

Landes' Erklärung für Reichtum und Armut der Nationen wird durch diese Schwächen seines Buches zwar nicht prinzipiell in Frage gestellt, doch um einiges geschwächt. So ist es ihm, bei aller schriftstellerischen Brillanz, nicht gelungen, das Potential seines Ansatzes voll auszuschöpfen. Dennoch hat er mit seinem Hauptwerk eine eindrucksvolle Synthese vorgelegt, die zu den großen Leistungen der Geschichtsschreibung des 20. Jh. zählen dürfte.


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An sich sehr gut

Es handelt sich meines Erachtens weder um rigorose Geschichtsschreibung, noch um philosophische Auseinandersetzung. Das Werk erinnert ein wenig an ein Lehrbuch für Wirtschaftsgeschichte und gibt einen groben und interessanten Überblick über vereinzelte Strömungen und Geschehnisse.
Ich hätte mich über ein umfassenderes und aktualisiertes Quellenverzeichnis gefreut, wie ich sie von vergleichbaren Vertretern des Genres kenne.
Als Erstsemester aus einem anderen Fachbereich gefiel mir das Buch jedoch gut, da es leicht verständlich und ohne Grundkenntnisse zu lesen war.

Für nicht-akademiker also zweifellos in empfehlenswertes Buch.


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Rezensionen: Seite 1, 2



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