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Wohlstand und Armut der Nationen: Warum die einen reich und die anderen arm sind
David Landes

Pantheon Verlag, 2009 - 688 Seiten

Kundenbewertung:(11 Bewertungen)
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Weltgeschichte aus der wirtschaftlichen Perspektive

David Landes' "Wohlstand und Armut der Nationen" holt zum sehr grossen Wurf aus. Wie er selbst im "Vorwort und Dank" darlegt, geht es ihm um nichts weniger als eine Weltgeschichte zu schreiben, aber eben aus der oekonomischen Sicht. Warum ist die Welt so wie sie ist? Warum sind die einen reich und die anderen arm? Dies sind die Ausgangsfragen, und sie zu beantworten ist sein Anliegen ueber fast 530 Seiten.

Man mag durchaus mit einzelnen Thesen und Aussagen nicht uebereinstimmen (er moechte ja auch provozieren), aber ganz grds. macht die Gesamtschau der Argumentation und sein Gesamtansatz Sinn. Landes vetritt hier auch keineswegs eine wissenschaftliche Mindermeinung, sondern liegt durchaus im Mainstream der wirtschaftsgeschichtlichen Forschung.

So bezieht sich auch Landes im wesentlichen auf die Grundthese von Max Weber, dargelegt in der "Protestantischen Sozialetik": alles steht und faellt mit dem kulturellen und religioesen Erbe einer Gesellschaft, gepaart mit aeusseren Umstaenden wie Klima, Topographie etc. Dreh- und Angelpunkt dabei jedoch die kulturelle Grundausstattung der Menschen, und wie sehr sie auf wirtschaftlichen Erfolg und Wohlergehen im Diesseits geeicht, bzw. sogar dazu auffordert sind.

Obwohl der Fokus eher auf Europa liegt und aussereuropaeische Kulturkreise nur mehr am Rande behandelt werden, ist, meine ich, der grosse Wurf dennoch gelungen. Das Lesen ist angenehm gestaltet, der wissenschaftliche Erkenntniszuwachs ist zwar eher gering (aber das ist ein Sachbuch fuer die interessierte, dennoch breite Masse), und sogar ein gewisser Unterhaltungswert ist festzustellen: volle Punktzahl erreicht!



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An sich sehr gut

Es handelt sich meines Erachtens weder um rigorose Geschichtsschreibung, noch um philosophische Auseinandersetzung. Das Werk erinnert ein wenig an ein Lehrbuch für Wirtschaftsgeschichte und gibt einen groben und interessanten Überblick über vereinzelte Strömungen und Geschehnisse.
Ich hätte mich über ein umfassenderes und aktualisiertes Quellenverzeichnis gefreut, wie ich sie von vergleichbaren Vertretern des Genres kenne.
Als Erstsemester aus einem anderen Fachbereich gefiel mir das Buch jedoch gut, da es leicht verständlich und ohne Grundkenntnisse zu lesen war.

Für nicht-akademiker also zweifellos in empfehlenswertes Buch.


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Adam Smith's ''Wohlstand der Nationen'' aus heutiger Perspektive...

... habe ich aufgrund des Titels in Landes Buch gesucht aber nicht gefunden. Landes ist eher Historiker, der über den Tellerand seiner Disziplin hinaus blickt, als Wirtschaftswissenschaftler, der ökonomische Gedanken anhand geschichtlicher Ereignisse entwickelt.

Landes möchte provozieren. Er sieht sich als einen, der völlig offensichtliche historische Tatsachen gegen eine "politisch korrekte" Standard-Lehrmeinung durchboxen muss. Die "Wiege der Moderne" steht für Landes in Europa. Eifrig zerpflückt er beispielsweise ''politisch korrekte'' Ethnologen, die archäologisch klar belegte kanibalistische Praktiken der Azteken hartnäckig leugnen. Wo er kann verteilt er Fußtritte an verwirrte "Dritte Welt Sympathisanten". Rhetorisch orientiert er sich damit nicht an Adam Smiths humorvollem Stil. Das ist schade, da Landes oft gute Argumente hat.

Interessanterweise, befürwortet Landes Merkantilismus. Er widerspricht damit grundlegenden Ansichten von Smith und der klassischen Ökonomie. Er lobt Alexander Hamilton, den amerikanischen Finanzminister der 1790er Jahre, wegen seiner merkantilistischen Praktiken. Damit ermöglichte er, so Landes, den späteren Aufstieg der amerikanischen Industrie.

Landes verschweigt, wie umstritten diese merkantilistischen Maßnahmen in den USA (und anderswo) waren. Wenige Jahre später wurden sie unter Präsident Jefferson zurückgefahren. Im Laufe der Zeit vollzog sich mehrmals ein politischer Richtungswechsel. Alle Länder waren mehr oder weniger merkantilistisch und es ist unklar, ob die beobachtete wirtschaftliche Entwicklung wegen oder trotz dieser Praktiken stattfand. Landes schafft es nicht durch die von ihm vorgebrachten Einzelbeispiele, die ökonomische Standardmeinung zu entkräften.

Peinlich wird es, wenn Landes in technischen Gefilden herum philosophiert. In einem eigenen Abschnitt lobt er die Überlegenheit sich drehender Maschinen gegenüber Kolbenmaschinen. Über eine halbe Seite gibt er wieder, wie ein britischer Offizier um 1905 sein neues Dampfturbinen-Schiff lobt. Man wünscht sich ein geduldiger Tankwart würde die Motorhaube von Hr. Prof. Landes Auto öffnen und ihm die ganz außerordentliche Leistungsfähigkeit moderner Kolbenmotoren zeigen.

Auch Smith lag bei seinen Beispielen manchmal daneben. Wenn er sich nicht sicher war fügte er aber ein "so wie man sagt" hinzu. Landes schießt seine Böcke hingegen mit selbstbewusstem Brimborium.

Landes setzt sich gekonnt mit der (nicht nur) marxisitisch-leninistischen Sichtweise auseinander, wonach bei der Ausbeutung der Kolonien die Kapitalisten die Arbeiter zu Komplizen gemacht hätten. Tatsächlich bestimmen aber innere Ursachen die Entwicklung eines Landes. Triebfeder des ''Neue Imperialismus'' Ende des 19 Jh. war schlichtweg irrationaler Nationalismus, der die Kolonialmächte wirtschaftlich eher schadete. Von der Logik her eine ganz ähnliche und vielleicht analytischere Darstellung des Sachverhalts findet man freilich auch schon bei Adam Smith. Zwangsläufig fehlt bei Smith das so ereignisreiche neunzehnte und zwanzigste Jahrhundert. Ein neuer ''Wohlstand der Nationen'' wartet meiner Ansicht nach noch darauf geschrieben zu werden.

P.S.: Gelesen habe ich die engl. Ausgabe von 1999



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sehr fundiert aber etwas langatmig

Insgesamt sehr fundiert aber teilweise etwas langatmig.
Für jemanden der sich für die Fragestellung: "Warum die einen reich sind und die anderen arm sind", der sollte dieses Buch erwerben. Es beschreibt einige sehr interessante Ansätze die auch auf die momentane Weltordnung anwendbar sind...


Rezensionen: Seite 1, 2, 3



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