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Miss Bukarest
Richard Wagner

Aufbau Tb, 2007 - 190 Seiten

Kundenbewertung:(10 Bewertungen)
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Wie aus dem wahren Leben gegriffen

Die Atmosphäre und Lebensstimmung wie sie in Rumänien unter der Herrschaft der Securitate vorherrschten sind sehr gut getroffen. Die teils holprig wirkende Sprache des Buches (kurze Sätze, Wiederholungen)erweckt im Leser das Gefühl, selbst gehetzt, beobachtet und verfolgt zu werden. Die Protagonisten wissen oder ahnen, dass sie Spielbälle der Securitate sínd und benutzt werden, können sich dagegen aber nicht wehren oder sehen keine Sinn darin, es auch nur zu versuchen. Ein sehr spannendes und packendes Buch, das den Leser insbesondere auf der emotionalen Ebene anspricht.


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"Alle haben allen misstraut!"

Dino Schullerus (früher Dinu Matache), aus Rumänien stammend, lebt seit 10 Jahren in Berlin und arbeitet bei einer Detektei. Als er eine Ehefrau beschatten muss, entpuppt sich diese als seine ehemalige Geliebte aus Bukarest. Wenig später schwimmt ihre Leiche in einem Kanal. Jetzt ermittelt die Polizei - und Dino auf eigene Faust. Die Vergangenheit holt ihn ein....
Richard Wagner, geboren im Banat (Rumänien) und selbst aus Rumänien geflüchtet, hat einen unheimlich spannenden Roman geschrieben, den der Leser nicht mehr aus der Hand legt, bevor nicht der Fall geklärt ist. Interessant, wenn auch in sich nicht ganz schlüssig, ist der Aufbau des Romans: Den 1. Teil erzählt Dino; dieses Manuskript erhält Paul Richartz, ein Schriftsteller, der 2 Jahre vor Dino nach Deutschland geflüchtet war; im 3. Teil erhält Christian, der Sohn von Dino, das Manuskript - und beide geben "ihren Senf dazu". Christian erfährt erst jetzt, dass sein Vater in Rumänien ein Securitate-Offizier - und letztlich in Deutschland als "Schläfer" tätig (??) war...


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Anders... aber gut.

Eine außergewöhnliche Leseerfahrung. Sehr schwer zu beschreiben, aber der Stil ist gänzlich anders, als alles, was ich bisher gelesen habe. Gewöhnungsbedürftig durch die 3 Erzähler, aber sehr gut.
Sehr informativ und spannend.
Außerdem bleibt ausreichend Raum für eigene Ideen und Gedanken.
Ein tolles Buch... LESEN!


Sehr interessant aber leider zu verwirrend

Interessant ist der Geschichtliche Hintergrund.
Aber die ganzen Personen, auch die unterchiedlichen Erzähler haben mich sehr verwirrt.
Es ist Geschmackssache, ich fände weniger in diesem Fall mehr.


Vom Leben in der Unwirklichkeit der Angst

Dino Schullerus ist als Privatdetektiv in Berlin tätig. Für seine Kollegen ist er schlicht "der Rumäne", nicht geliebt, aber geachtet für seine präzise Detektiv-Arbeit. Die Kollegen wissen nicht, ahnen vielleicht, dass er früher bei der Securitate war, dem berüchtigten rumänischen Geheimdienst. Damals, vor der Ausreise aus Ceausescus Unrechtsstaat, als er noch Dinu Matache hieß und Dissidenten überwachte.

Bei einem Routineauftrag - ein eifersüchtiger Ehemann lässt seine Frau beschatten - wird Dino von der Vergangenheit eingeholt: die überwachte Frau ist Erika, mit der er in Rumänien ein Verhältnis hatte. Er hat die Erinnerungen an diese Zeit, an diese Frau verdrängt. Als Erika kurze Zeit später tot aufgefunden wird und zeitgleich Onescu, sein früherer Vorgesetzter bei der Securitate, wie zufällig in Berlin auftaucht, gibt es für ihn nur noch eins: Er muss Erikas Tod untersuchen! Er muss sich Klarheit verschaffen über seine Verstrickungen in ihren Tod, seine Schuld gegenüber seiner Frau Lotte, die von der Affäre mit Erika wusste und der er seine Ausreise aus Rumänien verdankt. Und über seine wahren Gefühle, die verzerrt und unterdrückt waren in der Allgegenwart des gegenseitigen des Misstrauens, der alltäglichen Bespitzelung aller durch alle in der Diktatur.

Er beginnt, auf eigene Faust zu recherchieren, unterstützt von seinem Schachfreund Schelski, einem schmierig-kumpelhaften BKA-Mann, der ihn mit Polizeiinterna versorgt.

Am Ende steht eine Wahrheit, die keine Gewinner zu kennen scheint.

Wagner ist hier ein beklemmendes und recht spannendes Stück Literatur gelungen, das insbesondere atmosphärisch glaubhaft ist.

Erzählt wird die Geschichte in drei Teilen, jeweils aus der Sicht eines anderen Erzählers. Den Anfang macht Schullerus/Matache, der seine Untersuchung - gelernt ist gelernt - in einem detaillierten Bericht festhält. Dieses Manuskript schickt er im weiteren Verlauf der Handlung einem seiner früheren "Opfer", dem Dissidenten Richartz, der ebenfalls in Erika verliebt war. Von diesem gelangt es abschließend zu Christian Schullerus, Dinos Sohn.

Von diesen beiden erfährt man auf diese Weise weitere Zusammenhänge, die über das Wissen und Erleben des ersten Ich-Erzählers Schullerus/Matache hinaus gehen.

Diese Romanstruktur ist durchaus interessant konzipiert, beinhaltet aus meiner Sicht aber auch die größte Schwäche des Romans: Die Ich-Erzähler werden in der Reihenfolge ihres Auftretens immer "schwächer", d.h. weniger glaubhaft und die Gründe für das Weiterreichen des Manuskripts (insbesondere von Richartz an Christian) wirken überkonstruiert. Zudem klingt die Erzählstimme des jugendlichen Christian sehr bemüht und wenig authentisch.

Insgesamt kann der Roman dennoch knapp eine vier-Sterne-Wertung erreichen: Ich empfand die Atmosphäre des rumänischen Alltags unter Ceausescu, dieses "Lebens in der Unwirklichkeit der Angst" glaubhaft vermittelt. Hier hat der Autor, selbst aus Rumänien nach Berlin ausgesiedelt, offensichtlich seine eigenen Gefühle und Kenntnisse in Worte gefasst.

Darüber hinaus ist meiner Ansicht nach der erste Teil um Schullerus/Matache außerordentlich gelungen. Die Figur ist glaubwürdig und facettenreich umgesetzt und vermag zu überzeugen und zu faszinieren. Schade, dass Wagner dieses Niveau nicht im ganzen Roman halten konnte, denn die Protagonisten Richartz und Christian bleiben deutlich dahinter zurück, deutlich eindimensionaler, als hätte Wagner zum Ende des Romans etwas die Lust verloren.

Für mich ist bei der Bewertung eines Buches letztendlich Folgendes wichtig: Habe ich den angefangenen Text gerne und mit Spannung wieder in die Hand genommen um baldmöglichst weiterzulesen oder lag er tagelang herum, weil es immer etwas wichtigeres zu tun gab? Ganz klar der erste Fall! Dies lässt mich über die genannten Kritikpunkte und den zugegeben nicht besonders innovativen "Krimi-Plot" um Erikas Tod hinwegsehen und dem interessierten Leser zur Lektüre dieses Buches raten.



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Rezensionen: Seite 1, 2



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