Ein erschütternd nüchternes Kinoerlebnis. | 4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage | Anamaria Marinca, Laura Vasiliu
DVD Filme:
4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage
Anamaria Marinca
,
Laura Vasiliu
Concorde Video, 2008
Kundenbewertung:
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Kauftipp
4
MONATE
,3
WOCHEN
UND 2
TAGE
4 Monate 3 Wochen 2 Tage
Wohl verdienter Palme d'Or in Cannes. Erschütternde Zusammenfassung der Ceausescu - Ära in Rumänien in knappen Worten und genialen Bildern. Sehr sehenswert.
Ein erschütternd nüchternes Kinoerlebnis.
4
Monate
, 3
Wochen
, 2
Tage
ist ein sehr beeindruckendes Soziodrama, dessen Handlung im spätkommunistischen Rumänien angesiedelt ist. Der Film erzählt mit einem sehr nüchternen und fast dokumentarischen Stil den Abtreibungsversuch einer jungen Studentin. Das Abtreibungsverbot und die entsprechende Strafverfolgung lassen sie das Risiko der Illegalität und die Gefährdung ihres Lebens durch unzureichende hygienische und ärztliche Versorgung auf sich nehmen. Die junge Frau wohnt mit ihrer Kommilitonin in einem Studentenwohnheim und überlässt ihrer agilen und aktiveren Freundin das Organisatorische. Deren Beziehung zu anderen im Studentenwohnheim lebenden Frauen, die Erfahrungen mit illegalen Abtreibungen hatten, ermöglicht den Kontakt zu einem scheinbar verlässlichem Arzt, der sich dem hohen Risiko der Strafverfolgung aussetzt und Abtreibungen regelmäßig durchführt.
Nach einem kurzen Treffen mit diesem steht fest, dass die Abtreibung in einem gemietetem Hotelzimmer durchgeführt werden soll, da dort die Anonymität gewahrt bleibt und die Gefahr für alle erwischt zu werden gering ist. Zu einem abgesprochenen Termin wird das Hotelzimmer von den Frauen gemietet, die dort auf den Arzt warten.
Die in der Gesellschaft strukturell gegen Frauen gerichtete Gewalt wird konkret in der Figur dieses egoistischen Arztes, der die Abtreibung illegal vornimmt und sich offenbar regelmäßig an jungen Frauen und ihrer Notlage bereichert, indem er sie, was besonders hinterhältig ist, mit ihrer eigenen Erlaubnis vergewaltigt. Andererseits verkörpert nur der Arzt die Chance der Frauen über ihren Körper bezüglich des Schwangerschaftsabbruches selbstbestimmt zu verfügen, da nur mit dessen Hilfe die staatlich repressiven Gesetze durchbrochen werden können. Äußerlich begründet der Arzt seine Maßnahme mit der Geringfügigkeit der durch die Frauen mitgebrachten Geldsumme. Die Ausweglosigkeit der Situation und die Not der Stunde (das Hotelzimmer kostet Geld und die schlechte materielle Lage der Frauen verhindert einen großen Handlungsspielraum) lassen die Mädchen auf den perfiden Deal eingehen, was auch einen Interpretation über die Opferbereitschaft der Freundinnen füreinander (Not schweißt zusammen) ermöglicht, die sich ihrer grundsätzlichen Unterlegenheit bewusst werden und nur durch gemeinsames Handeln der gegen sie gerichteten Macht etwas entgegen setzen können. Mythisch interpretiert, müssen die Frauen selbst in dieser Situation noch sich selbst und ihre Sexualität als Opfer darbringen.
Beide schlafen also aus Zwang mit dem Arzt, der unmittelbar danach die Abtreibung an der de facto frisch vergewaltigten Frau durchführt. Bevor der Arzt geht, erklärt er noch, dass er nur im Notfall helfen wird und auch diese Hilfe erscheint wenig aussichtsreich für die Frauen. Ebenfalls weist er die Frauen an, wie sie den Fötus zu entsorgen haben.
Während die eine Freundin ans Bett gefesselt und im Hotelzimmer verbleibend wartet, um sich von der Abtreibung zu erholen oder besser, zu hoffen, dass sie diese überlebt, fährt die andere unter Sorgen zu ihrem Freund, dem sie versprochen hat bei einer Familienfeier zu erscheinen. Die Anwesenheitspflicht dort erscheint in der Ausnahmesituation unplausibel, wird aber durch die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung einer Normalität begründet. Dies bedeutet, dass nicht einmal die engsten Vertrauten oder Familienangehörigen von der Abtreibung erfahren dürfen oder ein Bruch in den alltäglichen Abläufen auffällig werden darf. Der Zuschauer begleitet nun den Gang der jungen Frau, welche sich gerade vergewaltigen ließ, um ihrer Freundin zu helfen, in die reale Welt, während das Hotelzimmer mit der frisch operierten und im Grunde in Lebensgefahr schwebenden Frau aus dem Blick gerät.
Der Kontrast ist natürlich enorm. Die scheinbar reale Welt draußen lässt keine Anzeichen erkennen, dass die gesellschaftlichen Strukturen zutiefst frauenfeindlich sind und ihre Unterlegenheit durch die sexuelle Logik und der ihr immanenten Herrschaft determiniert werden. Die Umwelt wirkt allumfassend bedrohlich und selbst im Familienkreis scheint nur geringe Zuversicht für vielversprechende Männer, die den allgemeinen Geschlechterdeterminismen entgegenstehen könnten. Die Frauen werden als von allen vernünftigen Männern verlassene Menschen dargestellt, die sich nur durch weiblichen Zusammenhalt und Freundschaft vor der Gewalt notdürftig schützen können.
Der Film erzielt seine Wirkung vor allem durch seine Nüchternheit. Fast dokumentarisch wird die frauenfeindliche Gesellschaft durch das subjektive Erlebnis der beiden Studentinnen dargestellt. Das Männerbild ist nahezu durchgängig negativ, da diese entweder als oberflächlich (der Freund der aktiven Freundin wird als sehr naiv abgestempelt), brutal und erniedrigend (der Arzt) oder schlicht als Abwesende (der nicht vorhandene Mann, welcher die junge Frau geschwängert hat und ihr nicht bei der Abtreibung zur Seite steht) dargestellt werden. Normalität und Schattenwelt prallen nicht aufeinander sondern existieren unter stillschweigenden Bedingungen nebeneinander und bedingen sich.
Die Frage bleibt natürlich, wie der zumeist westliche Betrachter das Gezeigte aufzufassen geneigt ist, weil natürlich der plakative Analogieschluss verführerisch scheint, die
strukturelle Gewalt gegen Frauen direkt mit dem Kommunismus bzw. der sozialistischen Gesellschaftsform zusammenzudenken. Wie janusköpfig solcherlei Vorstellungen sein können, zeigt sich schon daran, dass unsere demokratische Gesellschaft nach wie vor von frauenfeindlichen Mechanismen zutiefst bestimmt wird, auch wenn ein solcher Ausnahmezustand, wie er hier exemplifiziert wird, seltener geworden ist, da die Kämpfe der Frauenbewegung in Deutschland gegen die strafrechtliche Reglementierung des Schwangerschaftsabbruchs im Grunde erfolgreich waren. Wobei der Staat nach wie vor einen massiven biopolitischen Eingriff vornimmt, wenn er die Regeln des Schwangerschaftsabbruches strafrechtlich reguliert. In weiter Ferne winkt also der Paragraph 218 des StGB und erinnert daran, dass der Schwangerschaftsabbruch in Deutschland erkämpft werden musste.
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4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage (Cristian Mungiu, Rumänien 2007)
Absolut hochkarätiges Sozialdrama aus Rumänien. Hat glaube ich den Goldenen Bären 2007 gewonnen und das vollkommen zurecht. Die fatalen Auswirkungen der Diktatur werden im absoluten Mikrokosmos gezeigt und dadurch gewinnt der Film deutlich. Abtreibungen sind in Rumänien des Jahres 1987 verboten, was junge schwangere Frauen, die eigentlich gar nicht schwanger sein dürfen in erhebliche Probleme versetzt. Der Film stellt in diesem Zusammenhang die Grundfrage Wie weit würdest du für einen Freund gehen?, da nicht die schwangere Gabita im eigentlichen Zentrum des Films steht sondern ihre Freundin Otillia, die alles organisiert und auf Grund der Naivität von Gabita oftmals in einem schier unlösbaren Dilemma steckt. Leider schon viel zu lange her, dass ich den Film gesehen habe, als das ich wirklich noch etwas inhaltliches schreiben könnte, aber der Film ist einfach große Klasse, wenn gleich auch relativ unscheinbar, aber er erzeugt seine Spannung und Dramatik in den ruhigen Momenten, in denen die Kamera ruht und etwas in den Charakteren vorgeht, was wir nicht wissen, aber nur erahnen können. Im kleinen ein ganz ganz großer Film
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Die Auszeichnung spricht für sich
Ich möchte zu dem Inhalt nichts schreiben.
Man gewinnt die goldene Palme nicht umsonst !!!!
Sehr empfehlendswert (meiner Meinung nach)
Schockierend ehrlich
Der 1. Teil ist der Ausgangspunkt der Handlung: zwei Freundinnen haben eine Abtreibung in einem Hotelzimmer arrangiert. Die eine, die Leidtragende, die andere, Otilia, die Aktivere. Hier ziehen uns die unheimlich langen, wortlosen Szenen mit hinein in das Geschehen und setzten erste Denkanstösse.
Im 2. Teil läuft das Kontrastprogramm: eine Familienfeier. Alles quatscht sinnfrei durcheinander, singt und säuft. Mittendrin die schweigende Otilia. Der Zuschauer wird gezwungen zu erkennen, was ihr durch den Kopf geht, während die Worte an ihr vorbeirauschen - alles, nur nicht wie man Kartoffelpuré macht.
Dann im 3. Teil kommt die Auseinandersetzung mit ihrem Freund. Hier werden wenn auch nur hypothetisch die unterschiedlichsten Ansichten hinsichtlich einer möglichen Abtreibung bei ihnen deutlich und damit wächst die Distanz zwischen ihnen. Es entsteht eine Atmosphäre der klaustrophobischen Angst, besonders bei der Entsorgung des Fötus: es ist Nacht, man fühlt sich beobachtet, die Kamera ganz dicht dran, wackelt hinterher. Und wenn man dann noch die die Situation unter Chaucescu mit seiner Securitate im Hinterkopf hat, wächst sich das zu einem menschlichen Albtraum aus.
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